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Kompaktkurs: Freies Konstruieren um den Körper

By 20. January 2020 February 10th, 2020 No Comments

Freies Konstruieren um den Körper – ‚Vergessene’ Designstrategien der Kleiderkonstruktion –  ein praktischer Versuch

Thema: Sagenhaft anmutende, 3000 Jahre alte Kleider sind die letzten noch erhaltenen, eindrucksvollen Stücke einer lebhaften Kultur am Rande der staubtrockenen Taklamakan-Wüste im Westen Chinas. Mystischen Fabelwesen tanzen auf ihren weit schwingenden Säumen und ihre Zierborten sind mit ungewöhnlichen Pflanzenmotiven dekoriert.

Den opulenten Kleidern aus Xinjiang sieht man nicht an, dass für ihre Produktion ganz gezielt dynamische Konstruktionsprinzipien eingesetzt wurden. Diese einfachen aber genialen Prinzipien konnten je nach Bedarf an die Eigenschaften und Maße vorhandener Materialien kreativ angepasst werden. Dabei kam man völlig ohne die heute verwendeten Schnittvorlagen aus. Man nutze statt dessen frei kombinierbare Regelwerke zur Konstruktion der weit schwingenden Kleider. Dieses Konzept hatte den enormen Vorteil die Kleidung quasi ohne Verschnitt und Materialverlust absolut Ressourcenschonend produzieren zu können. Eine Strategie, die im kargen Klima der Wüstenregion einen riesigen Vorteil bot – Opulenz ohne Verschwendung.

Kluge Nachhaltigkeit in der Kleiderproduktion rückt auch heute immer stärker in den Fokus. Heute sehen standardisierte Produktionsprozesse von Kleidung jedoch völlig anders aus. Schnittkonzepte werden nach festen Schnittsystemen- und Berechnungen erstellt und die Materialauswahl daran angepasst. Der industrielle Produktionsablauf ist ein ganz anderer.

Was können wir aus diesen alten, sehr freien und dynamischen Konstruktionskonzepten lernen? Wie können wir sie kreativ neu interpretieren? Und wie beeinflusst dies unser Denken und Vorgehen im praktischen Gestaltungsprozess?

Im Seminar werden diese ‚vergessenen‘ Designstrategien der Kleiderkonstruktion ausführlich vorgestellt, im Kontrast zum aktuellen industriellen Produktionsprozess. Diese andersartige Herangehensweise soll jedoch vor allem in einem praktischen Versuch von den Studierenden modern adaptiert und umgesetzt werden. Mit der ‚research through design‘- Methodik werden wir in Gruppenarbeit die dynamischen Regelwerke ausprobieren, experimentell anwenden und interpretieren.

Ablaufplanung: Nach der Einführungsveranstaltung am 17.2. 20, die einen genauen Überblick über das Thema und die verschiedenen Strategien verschafft, beginnt der praktische Versuch:

Praktischer Versuchsaufbau (18-20.2): Jede Gruppe hat die nächsten drei Tage Zeit unter Anleitung und Unterstützung der Seminarleiterin nach dem Regelwerk mit den vorhandenen Materialien ein eigenes Probemodell zu entwickeln und die Konzepte des freien Konstruierens am Körper auszuprobieren und kreativ zu interpretieren. Konzepte und Umsetzung werden jeweils dokumentiert. Der praktische Versuch wird von Konsultationen begleitet und täglich mit einer gemeinsamen Retrospektive und Diskussion über neue Erkenntnisse abgeschlossen.

In einer abschließenden Review und Retrospektive (21.2.) werden alle konzipierten Probemodelle und die Ihnen zugrunde liegenden Konzepte und Designstrategien von den Studierenden gegenseitig vorgestellt und in der Bewegung am Körper präsentiert. Hierbei lernen die Studierenden in der Gruppe, ihre Forschungsthesen und deren praktische Umsetzungen schlüssig zu präsentieren und zu diskutieren.

Lernziele des Seminars sind:

  1. das Erlernen des freien Entwerfens und Konstruierens am Körper
  2. die experimentelle Umsetzung und kreative Weiterentwicklung eines 3000 Jahre alten Konzeptes in eine neue Designstrategie der freien Kleiderkonstruktion

Vorwissen zur Schnittkonstruktion oder zum Drapieren am Körper ist für den praktischen Versuch erwünscht. Das Seminar ist für Studierende aus den Bereichen Mode- und Produktdesign offen. Für den Kurs gibt es aufgrund des intensiven praktischen Versuchsablaufs eine maximale Teilnehmerzahl von 14 Personen.

Ort und Zeit: 17.-21.2.2020, jeweils 10.00-17.00 Uhr,  Raum 217, Einsteinufer 43,10587 Berlin